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Internationale EBPP-Standardisierung: wohin geht die Reise? (Interview)
27.05.2002, Peter R. Rikli, CREDIT SUISSE
Peter R. Rikli, CREDIT SUISSE, sprach mit EBPPinfo über die Zukunft des EBPP-Marktes in Europa. Herr Peter R. Rikli, Director bei der CREDIT SUISSE, hat wie kaum ein anderer die EBPP-Entwicklung in Europa geprägt. Herr Rikli war bis Mai 2001 Mitglied des Verwaltungsrates der Paynet AG und begleitete ebenso die Verhandlungen mit SAP zum Kauf der Paynet-Software.
EBPPinfo: Wie schätzen Sie die Entwicklung von EBPP in Europa auf Sicht der nächsten 18 Monate ein?
Herr Rikli: Die Wirtschaft ist in Zukunft darauf angewiesen, ihre Financial Supply Chain zu analysieren, zu verstehen und zu optimieren. Die Komplexität von FSCM wird der Industrie allerdings noch einiges an Arbeit abverlangen – EBPP ist da ein wichtiger erster Schritt.Die treibenden Kräfte für die Marktentwicklung sind eProcurement, Direct Billing von Telcos und eine marktgerechte EBPP-Anbieterstruktur mit klar aufgestellten Unternehmen aus den Bereichen Software, Consulting/Professional Services und Betrieb/Processing. Insbesondere Unternehmen mit professionellen Vertriebsstrukturen, welche über Ländergrenzen hinweg funktionieren, können den Ton angeben. Ich erwarte innerhalb der nächsten 8 bis 10 Monate eine tragfähige Allianz großer Anbieter, die in Struktur und Kompetenz Vorteile bündeln wird.
EBPPinfo: Sie meinen Accenture, EDS, oder IBM ...?
Herr Rikli: ... oder T-Systems, Bottomline Technologies, SAP, Commerce One oder Ariba – es gibt eine Reihe von Anbietern, die über das hierzu notwendige Potenzial sowie die Kernkompetenzen verfügen, die Entwicklung wird es zeigen.
EBPPinfo: Wie beurteilen Sie bereits bestehende Lösungen in Europa?
Herr Rikli: Bereits aktive Lösungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Einführung des Themas "EBPP" in die wirtschaftlichen Strukturen Europas und zur Generierung praktischer Erfahrungen in verschiedenen Branchen. In den nächsten ein bis zwei Jahren müssen sich auch diese Lösungen durch zunehmende Transaktionsvolumina im Markt behaupten und sich mit ihren Geschäftsmodellen an entstehenden Standards ausrichten.
EBPPinfo: Wie wird sich der zu erwartende Standardisierungsprozess vollziehen?
Herr Rikli: Es wird ein Prozess aus dem Markt heraus initiiert werden, weniger geprägt durch Gremienarbeit sondern mehr geprägt durch unternehmerischen Erfolg eines einzelnen Anbieters bzw. einer Anbieter-Allianz. Wer mit seiner Lösung Volumen generiert und darüber hinaus eine stabile wie vertrauensbildende Position im Markt einnimmt, hat die Pole-Position in der Standardisierungsdiskussion.
EBPPinfo: Was verstehen Sie in diesem Kontext unter "vertrauensbildend"?
Herr Rikli: Lassen Sie mich mit einer Gegenfrage antworten: Welche Bank gibt ihre Kundendaten in die Hände eines von einer anderen Bank kontrollierten Consolidators und welcher Telco kann damit leben, seine kundenbezogenen Verbrauchsdaten über das Processing-System eines anderen Telcos laufen zu lassen? Interessenskonflikte sind bei bestimmten Konstellationen also vorprogrammiert, solche Szenarien sind nicht undenkbar, aber aus Sicht mancher Beteiligter nicht unbedingt erstrebenswert. Wirft man – als Denkanregung gewissermaßen - einen Blick auf die internationale Kreditkarten-Branche, so ist offensichtlich, welche Anbieterstruktur Erfolgsaussichten hat: eine global funktionierende, nach industrieller Logik aufgestellte und "sauber" positionierte.
EBPPinfo: Herr Rikli, lassen Sie mich in Anlehnung an eine bekannte Werbebotschaft eines Kräuterbonbon-Spezialisten eine Vision des Jahres 2005 vorzeichnen: Drei finnische Geschäftsleute freuen sich, gemeinsam in einer Sauna sitzend, über ihre maßgeblichen Leistungen bei der Schaffung eines praktikablen EBPP-Standards. Da erscheint, mit Blicken strafend, ein weiterer Geschäftsmann und fragt: "Wer hat den EBPP-Standard in’s Leben gerufen?" - " Die Schweizer!", so die kleinlaute und einsichtige Antwort ...
Herr Rikli (lächelt): Die Entwicklung von Paynet hat gezeigt, wie nah Chancen und Risiken beieinander liegen können. Zumindest wurde die Schweiz damit zu einem Schmelztiegel von EBPP-Kompetenz und –Erfahrung. Der Schweizer Markt wird sich mit der spezifischen Voraussetzung geringer Transaktionsvolumina in B2C und B2B weiterentwickeln und die Credit Suisse wird hier vor Ort wie im internationalen Markt ihre Rolle definieren und wahrnehmen – so wird man in der EBPP- und FSCM-Industrie des Jahres 2005 mit den Schweizern rechnen müssen, auch in der Sauna.
EBPPinfo: Vielen Dank für dieses Gespräch, wir wünschen Ihnen eine auch weiterhin interessante und erfolgreiche Tätigkeit.