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Offene Plattformen und ERP-Systeme - eine sinnvolle Kombination (Interview)

04.05.2002, Robert Gatz, Commerce One

Collaborative Commerce ist gegenwärtig ein Schlagwort, welches sowohl bei Anbietern von ERP-Systemen als auch bei den eCommerce-Spezialisten hoch im Kurs steht. Mit fortschreitender Vervollkommnung beider Systeme scheint sich eine Rivalität herauszubilden, wenn man die Worte von Sanjiv Sidhu, Chairman von i2, auf der CeBIT Pressekonferenz richtig interpretiert. Ist diese Sicht begründet? Robert Gatz, Director Marketing Central Europe, CommerceOne, sieht in beidem eine sinnvolle Ergänzung.

EBPPinfo: Mit Commerce One 5.0 erweitert Ihr Unternehmen das Angebot vom eProcurement- und Marktplatz-Spezialisten auf die Darstellung und Lösung komplexer Unternehmensprozesse nach außen und nach innen. Andererseits bemühen sich auch die Hersteller herkömmlicher ERP-Software um die Integration von Funktionalität, die eine reibungslose Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg ermöglicht. Wo liegen nach Ihrer Meinung die Grenzen zwischen ERP-System und offenen Plattformen?

Robert Gatz:Immer dort wo es sich um Vertraulichkeit von Daten und Prozessen handelt, ist dies m.E. kein Thema für offene Plattformen, wenn diese auch von anderen benutzt werden können. Handelt es sich aber um eine offene Plattform, die ausschließlich für interne Zwecke und zur Homogenisierung der bestehenden IT-Infrastruktur benutzt wird, besteht kein Grund für eine Ab- bzw. Ausgrenzung.

EBPPinfo: Können beide Seiten miteinander leben, ohne den Markt des jeweils anderen zu beeinflussen?

Robert Gatz: Absolut. Sie können nicht nur miteinander leben - sie müssen miteinander leben. Offene Plattformen, die nicht eine Integration in die Backend-Prozesse (ERP) von Unternehmen gewährleisten, sind ihr Geld nicht wert, da dann wieder Medienbrüche entstehen, die man ja gerade unter dem Gesichtspunkt der Optimierung von Prozessen vermeiden will. Ich sehe insgesamt zwischen Plattformen und ERP-Systemen überhaupt keinen Widerspruch sondern nur die Notwendigkeit der Integration.

EBPPinfo: Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile einer Internet-basierten Lösung für Collaborative Commerce?

Robert Gatz: Ich sehe hier vor allem drei wichtige Gesichtspunkte als Aspekte der angestrebten Optimierung von Prozessen: erstens das enorme Kostensenkungspotential, zweitens die neu gewonnene Transparenz von Prozessen und die dadurch gewonnenen Analyse-Möglichkeiten und drittens die erhöhte Reichweite zu neuen Partnern, die systemimmanent durch das Internet an sich gegeben ist und die letztendlich eine zusätzliche Möglichkeit der Kostenoptimierung oder der Qualitätsverbesserung beinhaltet.

EBPPinfo: Wie ordnen Sie das Thema "elektronische Präsentation und Bezahlung von Rechnungen" in Ihr Verständnis von Collaborative Commerce ein?

Robert Gatz: Wir leben im multimedialen Zeitalter. Wenn heute noch nicht alle Angebote entsprechend optimal angeboten werden, so heißt dies für mich nicht, daß hier ein Widerspruch besteht, sondern daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich dies durchsetzen wird. Ich denke, es gilt der Grundsatz: je konsumorientierter ein Angebot ist (in Bezug auf Produkt und Zielgruppen) um so wichtiger ist dieses Thema und um so schneller wird es umgesetzt werden.
Das Bezahlen von Rechnungen muß elementarer Bestandteil von Collaborative Commerce sein - ansonsten entstehen wieder die vorher schon zitierten Medienbrüche und die Wertschöpfung kann nur sub-optimal sein. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch deutlich von der Durchgängigkeit unserer Commerce One 5.0 Lösung vom Sourcing (Lieferantenfindung und -screening) bis zum Payment (Zahlungsabwicklung).

EBPPinfo: Herr Gatz, wir danken Ihnen recht herzlich für dieses Gespräch.

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