ALLE NEWS LESEN | NEWSLETTER ABONNIEREN
Pripas: Die Privatrechnung geht Patienten online zu
21.02.2007 (aerztezeitung) Mit einer elektronischen Plattform für Privatrechnungen will das Unternehmen Pripas die Abläufe in Arztpraxen und bei privaten Krankenversicherern beschleunigen. Langfristiges Ziel ist die komplette Online-Abwicklung der Privatrechnungen, bislang macht aber noch kein PKV-Unternehmen mit. Ärzten ermöglicht Pripas schon jetzt die Reduzierung des Verwaltungsaufwands in diesem Bereich.
Niedergelassene Ärzte, die am "Privat-Patienten-System" teilnehmen, schicken die Privatrechnungen verschlüsselt an die Pripas-Plattform. Das Unternehmen kümmert sich dann darum, die Rechnungen an die Patienten zu senden, entweder ebenfalls elektronisch oder per Brief.
"Der Aufwand mit den Privatrechnungen hat sich für mich deutlich verringert", sagt der Allgemeinmediziner Dr. Karl-Heinz Munter aus Neuss. Munter hat keine eigene Praxis, sondern arbeitet im Gesundheitsamt und macht viele Vertretungen. Dabei fallen viele Privatrechnungen an. Sie wickelt er seit einigen Monaten über das Pripas-System ab.
Die Rechnungen müssen nicht mehr ausgedruckt werden
Dadurch spart er Zeit und Material. "Ich brauche die Rechnungen nicht mehr auszudrucken, auch das Kopieren, Kuvertieren und Frankieren entfällt", berichtet Munter. Die Handhabung sei denkbar einfach. Er gibt die Daten wie bisher ein und versendet sie dann per Knopfdruck an Pripas. "Das funktioniert im Prinzip wie bei einer E-Mail." Munter freut sich, dass er nicht mehr länger die elektronisch erfassten Daten ausdrucken und in die Post geben muss. "Diesen Medienbruch habe ich schon immer für Quatsch gehalten."
Die Rechnungen liegen bei Pripas im Archiv, so dass er sich immer einen Überblick verschaffen kann. Pripas schickt dem Arzt eine Mail, wenn die Rechnung an den Patienten verschickt wurde. Erhält das Unternehmen die Daten vor elf Uhr vormittags, geht die Rechnung noch am selben Tag in den Postversand, garantiert Pripas. Wenn der Patient es wünscht, kann er seine Rechnung auch online abrufen. Er bekommt dann eine E-Mail zur Information. Das System ist so aufgebaut, dass die Rechnung online bei der Privaten Krankenversicherung eingereicht werden könnte.
Bisher habe er noch keine Probleme mit dem System gehabt, sagt Munter. Auch die Installation im Computer sei sehr einfach. "Statt einen Drucker einzustellen, muss man lediglich Pripas einstellen." Nur die Anmeldung sei etwas aufwändiger. Das liege an den Sicherheitsmaßnahmen und sei deshalb sinnvoll.
Die Datenschützer hätten das Projekt von Anfang an begleitet, sagt Thomas König, einer der drei Pripas-Geschäftsführer. "Wir haben eine hochverschlüsselte Datenübertragung." Die Patienten müssen wie bei der Abwicklung über eine Privatärztliche Verrechnungsstelle in den Datenverkehr einwilligen. "Bislang ist noch kein Arzt dabei auf Widerstand gestoßen", berichtet König. Nach seinen Angaben arbeiten zurzeit rund 700 Ärzte mit dem System des vor zwei Jahren gegründeten Erftstädter Unternehmens. Begonnen mit der Entwicklung von Pripas haben die Initiatoren im Herbst 2003.
Demnächst sollen einige Laborgemeinschaften als Kunden hinzukommen. zur Zeit verhandelt Pripas mit mehreren Ärzteverbänden über Rahmenverträge, die Mitgliedern günstige Nutzungskonditionen verschaffen. Zu den Kunden gehören auch Kliniken, die ihre Selbstzahler-Rechnungen über Pripas versenden.
Für die Abwicklung der Privatabrechnungen zahlen Ärzte eine monatliche Grundgebühr von zehn Euro an Pripas. Referenzärzte wie Munter zahlen weniger. Hinzu kommen Kosten pro Rechnung von 22 Cent für Original und Duplikat bei Postzustellung zuzüglich Porto. Bei der elektronischen Abwicklung erhebt Pripas zwischen 7 und 15 Cent, je nachdem, wie viele Rechnungen Ärzte monatlich übertragen. Die Rechnungsbeträge spielen - anders als bei den PVS - für die Gebühren keine Rolle.
Für Briefe im normalen Format nimmt Pripas auch beim Versenden mehrerer Seiten Portogebühren von 49,5 Cent, also weniger als die 55 Cent, die ein Normalbrief bei der Deutschen Post kostet.
Hohes Potenzial zur Kostensenkung in der PKV
Je mehr Ärzte ihre Privatrechnungen über Pripas abwickeln, desto interessanter wird das System auch für die PKV, hofft König. Bei den Versicherern gebe es ein grundsätzliches Interesse, weil sie das große Kostensenkungspotenzial sehen, sagt er. Das System erspare schließlich das Einlesen der Daten und die manuelle Nacherfassung. Bislang testen einige Unternehmen das Verfahren. "Wir hoffen, dass wir bis spätestens Mitte 2008 das erste PKV-Unternehmen fest dabei haben", sagt er.
Pripas befinde sich zurzeit in Verhandlungen mit einem potenziellen Investor, so König. Dabei handele es sich um ein Unternehmen, das im Gesundheitswesen bekannt sei. Ein solcher Investor werde das Interesse der PKV-Branche erhöhen, glaubt er. zur Zeit besitzen die drei Gründer mehr als 75 Prozent des Unternehmens. Weitere Anteile halten die Technologie Beteiligungsgesellschaft, eine Tochter der KfW-Bankengruppe, und ein privater Investor.